Rezension: „Du stirbst nicht allein“ von Tammy Cohen

 

IMG_20170708_092141Verlag: blanvalet

Seiten
: 395

Erscheinungsjahr
: 2017

ISBN
: 978-3-7341-0437-4

Preis
: 9,99€

Übersetzung
: Bernd Stratthaus

Hier könnt ihr das Buch kaufen

Klappentext

Vor vier Jahren erschütterte der Mord an der siebenjährigen Megan Purvis ganz London. Die Leiche des Mädchens wurde in einem abgelegenen Waldstück gefunden, auf ihrem nackten Schenkel stand das Wort »Sorry«. Zwei Jahre später verschwand Tilly Reid, auch ihre Leiche wurde gezeichnet und im Wald gefunden. Vierzehn Monate danach fand man erneut eine Mädchenleiche. Der Mörder der drei wurde nie gefasst. Und nun ist die kleine Poppy Glover verschwunden …

Anmerkung

Ich habe dieses Buch im Rahmen einer Leserunde gelesen. Mit dabei waren:

Ashley: Instagram und Blog

Josefine: Instagram

Ricarda: Instagram und Blog

Ashley hat zu diesem Buch ebenfalls eine Rezension, verfasst. Diese könnt ihr HIER lesen.

Mädels, das gemeinsame Lesen mit euch hat mir großen Spaß gemacht ❤

Meinung

Ich habe bereits „Während du stirbst“ von der Autorin gelesen und fand es damals echt gut. Leider konnte mich „Du stirbst nicht allein“ nicht so überzeugen. Und das ist noch nett ausgedrückt.

Fangen wir beim größten Problem an: Die Langeweile. Für mich kam zu keinem Zeitpunkt auch nur ein Hauch Spannung auf. Die Autorin verliert sich in Nebensächlichkeiten und Gefühlen und kommt nur in sehr langsamen Tempo in der Geschichte voran. Alles, was zur Spannung beitragen könnte, nutzt sie nicht. Sie schlägt verschiedene Wege ein und versucht zum Beispiel mit mysteriösen Briefen Spannung zu erzeugen, doch diese Wege werden quasi nebenbei komplett unspektakulär aufgelöst. Und die Auflösung ist dann auch noch so banal, dass sie einfach nur enttäuschen. Nichts davon kann überraschen, nichts wirklich fesseln.

Auch die Charaktere konnten mich nicht überzeugen. Hier ist vor allem die Anzahl der Charaktere fatal, da es einfach zu viele sind. Die Autorin versucht jedem Charakter die nötige Tiefe zu geben, was ihr bei wenigen durchaus gelingt, bei den meisten aber eher nicht. Aufgrund der Menge nimmt dieses aber auch viel Platz in der Geschichte ein, sodass der Fall an sich – die Morde an den Kindern – kaum präsent ist.

Der Fokus liegt zu sehr auf dem Privatleben der Charaktere. Die Polizistin Leanne jammert pausenlos über ihre zerbrochene Ehe und die Tatsache, dass ihr Exmann ebenfalls an diesem Fall arbeitet bereitet ihr mehr Kopfzerbrechen als der Fall selbst. Die Journalistin Sally verliert sich ständig in vergangenen Liebeleien und ihre erbarmungslose Recherche, von der sie die ganze Zeit prahlt, ist eigentlich nur heiße Luft.
Noch dazu ist keiner der Charaktere ein wirklicher Sympathieträger. Die meisten haben mich größtenteils nur genervt mit ihren privaten Problemchen und unwichtigen Gedankengängen.

Wieso dieses Buch als Psychothriller ausgewiesen wird, ist mir generell ein Rätsel. Unter dem Begriff „Psychothriller“ erwartet jeder anscheinend etwas anderes und eine genaue Definition scheint es nicht zu geben. Deshalb möchte ich vorerst klären, was ich mir unter einem (guten) Psychothriller vorstelle:

Für mich ist ein Psychothriller eine Geschichte, die spannend ist (schließlich ist ein Psychothriller immer noch ein Thriller), dafür aber subtilere Werkzeuge benutzt um diese zu erzeugen. Der Fokus liegt auf der Psyche der Menschen und spielt im besten Falle auch mit der Wahrnehmung des Lesers. Es braucht kein großes Blutvergießen oder detailliert dargestellte Gewalt, genauso wenig wie großartige Action oder eine Verfolgungsjagd. Die Atmosphäre ist eher düster bis mysteriös und zieht den Leser so in seinen Bann.

Allein durch die nicht vorhandene Spannung kann man hier generell nicht von einem Thriller reden und dadurch auch nicht von einem Psychothriller. Auch die psychischen Aspekte sind eher Mau und tauchen im Grunde nur auf den letzten paar Seiten auf.

Der Schreibstil ist größtenteils in Ordnung. Er ist gut und recht schnell lesbar, wenn man nicht ab und an über Sätze stolpern würde, die den Lesefluss doch arg beeinträchtigen können. Typische Schachtelsätze muss man mehrere Male lesen um sie überhaupt zu verstehen. Einmal fiel sogar ein Satz ganz nach dem „Wenn du denkst, dann denkst du nur du denkst“- Klischee, was mich einerseits zum Lachen brachte (was bei einem „Psychothriller“ nicht unbedingt vorkommen sollte) und gleichzeitig genervt mit den Augen rollen ließ.
Fraglich ist hier jedoch, ob die Kritik wirklich der Autorin gilt oder der Übersetzung.

Das Ende beweist schließlich endgültig, dass sich die Autorin kaum Gedanken um eine schlüssige Handlung gemacht hat. Das ganze Buch über sind die privaten Dinge wichtiger, die Ermittlungen kommen so gut wie nicht voran. Aber da das Buch nun mal bald vorbei sein sollte, muss ja irgendwie eine Lösung her. Die Lösung kommt also in Form von Hinweisen, für die die Polizei aber nichts getan hat und ganz plötzlich so da sind. Auf den letzten 20 Seiten wird alles schnell abgefrühstückt und das war es dann.

Ich muss Tammy Cohen zu Gute halten, dass der Grundgedanke der Geschichte gar nicht mal so schlecht ist. Daraus hätte man wirklich etwas machen können. Aber das hat sie nicht. Bei der Umsetzung hat sie absolut versagt und sich in unwichtigen Dingen verloren.

Fazit

Ich habe schon viele Bücher gelesen, die ich im Nachhinein als schlecht empfunden habe. „Du stirbst nicht allein“ toppt für mich alle! Nervige Charaktere, deren Privatleben mehr im Fokus steht als der Fall und durchgehende Langeweile dominieren dieses Buch. Ich kann es überhaupt nicht empfehlen und habe mich sehr oft über dieses Buch aufgeregt.

Bewertung: 1 / 5 Sterne

Advertisements

Ein Kommentar zu „Rezension: „Du stirbst nicht allein“ von Tammy Cohen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s