Rezension: „Spiel der Zeit“ von Jeffrey Archer

1495801624305Reihe: Clifton Saga (1)

Verlag: Heyne

Seiten: 527

ISBN: 978-3453471344

Ich habe das Buch im Rahmen einer Leserunde zusammen mit Nicci gelesen. Ihren Instagram-Account findet ihr HIER. ❤

Klappentext

England um 1930: Der junge Harry Clifton wächst an den Hafendocks von Bristol heran, seine Mutter Maisie muss sich mit harter Arbeit durchschlagen. Um den Tod von Harrys Vater, der angeblich im Krieg gefallen ist, rankt sich ein Geheimnis. Harrys Leben nimmt eine Wendung, als er das Stipendium für eine Eliteschule erhält. Er tritt ein in die Welt der Reichen und lernt Giles Barrington sowie dessen Schwester Emma kennen, Erben einer Schifffahrts- Dynastie. Harry verliebt sich in Emma, ohne zu ahnen, dass die Schicksale ihrer Familien auf tragische Weise miteinander verknüpft sind …

Meinung

Kommen wir erst einmal zum Aufbau: Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Zu Beginn eines solchen Abschnittes wird genau angezeigt, um welchen Charakter es sich handelt und in welchem Zeitraum diese Perspektive spielt. Ändert sich die Perspektive, ist es meistens der Fall, dass sich die Zeiträume weitestgehend überschneiden. So erfährt man das Geschehene auch aus einer anderen Sicht und manche Dinge erscheinen in einem etwas anderen Licht.

Dieser Aufbau ist etwas heikel, da so natürlich einige Sachen immer wieder beschrieben werden und man eben so einige Wiederholungen hat. Noch dazu sind die Erkenntnisse, die man aus einer anderen Perspektive gewinnt, nicht unbedingt immer besonders wichtig für die eigentliche Story.

Ebenfalls problematisch an diesem Aufbau ist die Tatsache, dass dem Leser Geheimnisse quasi von Anfang an bekannt sind. Man bekommt alles sofort auf einem Silbertablett präsentiert und das wenige, was den Leser dann noch überraschen könnte ist absolut vorhersehbar.

Ein Beispiel (natürlich spoilerfrei): Im Prolog erfährt der Leser quasi schon das größte Geheimnis, welches sich durch die ganze Geschichte zieht. Aufmerksame Leser dürfte da schon klar sein, was sich da abspielt, alle anderen sind spätestens bis zum Mittelteil ebenfalls im Bilde. Nur wenige Charaktere wissen von diesem Geheimnis, alle anderen sind natürlich ahnungslos. Der Leser begleitet die Ahnungslosen also über 500 Seiten hinweg und muss immer und immer wieder miterleben, wie diese sich Fragen, warum die Geheimnisträger sich stellenweise so merkwürdig verhalten. Permanent fallen Sätze wie „Ich kann einfach nicht nachvollziehen warum er das tut!“ was mich auf Dauer einfach nur noch genervt hat.

Leider bin ich mit komplett anderen Erwartungen an diese Geschichte herangegangen. Ich habe mir eine verzweigte Familiengeschichte gewünscht, eventuell mit kleinen Machtspielchen und einigen Geheimnissen. Doch keines dieser Erwartungen wurden erfüllt. Das fing schon mit dem Schreibstil an, der zwar gut lesbar, allerdings nicht gerade gehaltvoll ist. Der Autor schreibt sehr simpel und was für mich ein besonderes Manko war: Er ist nicht gerade tiefgehend.

Generell hatte ich das Gefühl, der Autor klatscht mir ohne viel Mühe eine Geschichte vor die Nase. Ich habe den Tiefgang vermisst, Gefühle und vor allem Atmosphäre. Um die 20 Jahre werden in diesem Buch oberflächlich abgearbeitet und dabei wird nicht viel Zeit gelassen, mit den Charakteren mitzufühlen geschweige denn sie richtig kennen zulernen.

Müsste ich die Geschichte mit einem Wort beschreiben wäre dies: LIEBLOS.

Ein weiteres Beispiel (spoilerfrei): In der Geschichte wird wie aus dem Nichts ein Liebespaar präsentiert (wobei auch diese „Überraschung“ für den Leser überhaupt keine Überraschung war). Dieses soll aus der Sicht der anderen tatsächlich auch so plötzlich da sein. Da dieses Paar für die Geschichte aber sehr wichtig ist, war es für mich natürlich wichtig zu erfahren, wie die beiden zueinander gefunden haben. Kurz darauf folgt ein Abschnitt aus der Sicht eines der beiden Liebenden, weshalb ich in diesem Abschnitt eine dementsprechende Erläuterung erwartet habe. Aber nein! In Rekordzeit wird dieses Thema abgearbeitet und eine wirkliche Erklärung gibt es im Grunde einfach nicht. Sie liebte ihn einfach schon immer und bei ihm reicht es im Prinzip schon ihre Hand zu halten, damit daraus die große Liebe wird.

Das ist mir einfach zu wenig!

Wird eines der sagenumwobenen Geheimnisse gelüftet, ist die Reaktion darauf ebenfalls alles andere als tiefgehend. In einem Moment ist Jemand am Boden zerstört, auf der nächsten Seite hat er es schon längst hingenommen und verschwendet keinen weiteren Gedanken mehr daran.

Mein einziger Lichtblick war ein Abschnitt in der Mitte des Buches, welches die Sicht des Charakters Jack erzählt. Ich mochte Jack bis zu einem gewissen Punkt ganz gerne und sein Abschnitt hatte mir ein wenig Hoffnung gegeben, da ich dort den erhofften Tiefgang zumindest teilweise bekommen habe. Leider blieb es auch dabei, denn danach ging es genauso oberflächlich weiter.

Das Ende war im Grunde dann die Krönung, denn was die Dramaturgie betrifft hatte dies wirklich schon Ähnlichkeit mit einer schlechten Soap.

Fazit

Insgesamt bietet die Geschichte eine Menge Potenzial, aber die Umsetzung ist für mich einfach nur mies. Im Eiltempo vergehen die Jahre, sodass ich als Leser kaum die Gelegenheit hatte, mich mit den Charakteren oder der Umgebung zu befassen. Ich hatte beim Lesen ständig das Gefühl, als hätte der Autor sich generell nicht viel Mühe gegeben. Als hätte er das Buch geschrieben, weil er es musste und nicht weil er es wollte. Mir fehlte es definitiv an Gefühl, Tiefgang und auch Atmosphäre.

Ich werde diese Reihe wohl nicht mehr fortsetzen.

Bewertung: 2 / 5 Sternen

 

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