Mit offenen Augen durch die literarische Welt

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Neuerdings habe ich das Gefühl, dass sich mein Geschmack in Sachen Bücher etwas verändert hat. Bis vor wenigen Monaten war mein Hauptgenre „Thriller“. Ich habe zwar zwischendurch auch andere Bücher gelesen, doch am Ende des Monats konnte man immer wieder deutlich sehen, dass Thriller es mir am meisten angetan hatten. Das ist nun nicht mehr so.

Da stellt sich mir doch die Frage: Kann man sich an einem Genre sattlesen? In letzter Zeit konnte mich kein Thriller so wirklich von sich überzeugen. Mal ließ die Spannung zu wünschen übrig, mal konnte ich mit den Charakteren nichts anfangen. Irgendwie habe ich das Gefühl, alles in irgendeiner Form schon einmal gelesen zu haben. Gerade bei Ermittler-Reihen sind die Gemeinsamkeiten mehr als deutlich: Da hätten wir den älteren Herren mit einem Alkohol-Problem oder jüngere Ermittler voller Tatendrang und IMMER muss natürlich eine schwere Vergangenheit dabei sein.

Versteht mich nicht falsch: Wenn ein neuer Teil einer meiner Lieblingsreihen erscheint, bin ich die erste, die diesen Thriller verschlingt. Mit großer Sehnsucht erwarte ich die neuen Teile von Andreas Gruber, Chris Carter und Tess Gerritsen. Doch das hat eher etwas mit Nostalgie zu tun. Man hat die Ermittler bereits in sein Herz geschlossen und freut sich auf ein Wiedersehen mit ihnen. Neue Reihen und auch Einzelbände fallen mir stattdessen immer schwerer.

Woran liegt das? Ist es die Menge an Büchern, die ich schon gelesen habe? Ist es nur eine Phase? Oder hat es tatsächlich etwas damit zu tun, dass sich mein Lesegeschmack nach und nach entwickelt?

Früher hätte ich niemals gedacht, dass Stephen King etwas für mich sein könnte. Da die meisten seiner Bücher Fantasy-Elemente enthalten war ich immer sehr skeptisch, denn Fantasy-Elemente waren nie mein Ding. Jetzt bin ich vollkommen im King-Fieber und kann gar nicht genug davon bekommen, denn wow, kann der Mann schreiben!

Früher hätte ich auch nie gedacht, dass historische Romane etwas für mich sein könnten. Ich habe mir das immer sehr langweilig vorgestellt. Wie den Geschichts-Unterricht in der Schule. Aber jetzt, wo ich „Sturz der Titanen“ von Ken Follett als Hörbuch höre, bin ich überrascht wie viel Freude mir dieses Buch bereitet und wie sehr es mich mitnimmt. Ich habe durch dieses Buch schon vieles dazu gelernt ohne das Gefühl zu haben, richtig belehrt zu werden. Geschichtsunterricht der Spaß macht sozusagen.

Auch für Familiengeschichten brenne ich momentan sehr. Familiengeheimnisse, die auf zwei Zeitebenen spielen finde ich total interessant. Das hätte ich früher auch nie für möglich gehalten. Jetzt stehen Autorinnen wie Lucinda Riley und Corina Bomann ganz oben auf meiner Wunschliste!

Mir macht es immer mehr Spaß, mich an neuen Dingen auszuprobieren. Ich möchte mehr Biografien und Erfahrungsberichte lesen. Das habe ich vorher auch getan, allerdings eher selten. Im Buchladen bin ich instinktiv immer in eine Ecke gegangen, die Sachbücher habe ich meistens gar nicht beachtet. Das will ich ändern.

Generell habe ich mir vorgenommen jedes Genre für mich zu entdecken. Früher habe ich einige Bücher grundsätzlich gemieden, weil ich im Vorfeld dachte „Das ist nichts für mich!“. Doch woher will ich das wissen, wenn ich es nicht probiere? Möglicherweise schließe ich damit eine Tür zu einer Welt, die mir viel gegeben hätte!

Ich möchte mit offenen Augen durch die literarische Welt gehen.

Ich habe gerade geschrieben, Fantasy wäre nichts für mich. Dabei habe ich nie ein Buch aus dem High-Fantasy-Bereich gelesen.

Ich habe das New/Young Adult Genre immer verteufelt und wenn ich ehrlich bin mich auch immer etwas lustig darüber gemacht. Dabei habe ich nie ein Buch davon gelesen. Ich habe nur einige Stimmen dazu gehört, mir daraufhin eine Meinung gebildet und es abgefertigt. Es in eine Schublade gesteckt und nie wieder herausgeholt.

Doch das will ich nicht mehr. Und das werde ich nicht mehr. Schluss mit dem Schubladen-Denken! Zu gegebener Zeit werde ich auch diesen Büchern mal eine Chance geben. Und wer weiß – vielleicht wird sich dahinter ein großer Schatz verstecken.

Abschließend möchte ich Matt Haig zitieren, der in seinem Buch „Ich und die Menschen“ folgendes geschrieben hat:

„Es gibt nur ein Genre in der Literatur. Das Genre heißt Buch.“


Wie sieht es bei euch aus? Probiert ihr auch gerne Neues aus? Hat sich euer Lesegschmack in irgendeiner Form verändert? Gibt es Genre, von denen ihr nie gedacht hättet, dass sie euch so gut gefallen? Schreibt mir gerne einen Kommentar, ich freue mich auf eure Antworten!

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Ein Kommentar zu „Mit offenen Augen durch die literarische Welt

  1. Ich finde, dass hast du total schön geschrieben und ich bin sehr begeistert, dass du zu dieser Einsicht gelangt bist 😊 ich selbst denke total in Schubladen und bin eher wenig offen für neue Genre, einfach auch weil ich total gerne Thriller lese und jedes Buch anders ist, auch wenn sie noch so gleich sind. Aber ich hoffe, wenn mein SuB mal kleiner wird, dass ich für neue Genre offen bin 🙂

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