Rezension: „AchtNacht“ von Sebastian Fitzek

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Verlag: Knaur

Preis: 12,99 € TB

Seiten: 408

ISBN: 978-3426521083

Ich habe dieses Buch teilweise auch als Hörbuch gehört. Die ungekürzte Fassung wird gelesen von Simon Jäger und hat eine Dauer von 8 Stunden und 39 Minuten.

Klappentext

Es ist der 8.8., acht Uhr acht. Sie haben 80 Millionen Feinde. Werden Sie die AchtNacht überleben?

Stellen Sie sich vor, es gibt eine Todeslotterie. Sie können den Namen eines verhassten Menschen in einen Lostopf werfen. In der „AchtNacht“, am 8.8. jedes Jahres, wird aus allen Vorschlägen ein Name gezogen. Der Auserwählte ist eine AchtNacht lang geächtet, vogelfrei. Jeder in Deutschland darf ihn straffrei töten – und wird mit einem Kopfgeld von zehn Millionen Euro belohnt.

Das ist kein Gedankenspiel. Sondern bitterer Ernst. Es ist ein massenpsychologisches Experiment, das aus dem Ruder lief. Und Ihr Name wurde gezogen!

Meinung

Bis auf „Noah“ habe ich bisher alle Bücher von Sebastian Fitzek gelesen oder gehört und nicht immer konnte er mich überzeugen. Mit „AchtNacht“ hat er nun allerdings den Tiefpunkt erreicht. Für mich sein schwächstes Buch.

Die Protagonisten Ben und Arezu sind recht sympathisch, wobei ich allerdings Schwierigkeiten hatte mich mit ihnen anzufreunden. Grund ist zum Teil auch der ständige Perspektivwechsel zwischen verschiedenen Personen. Dadurch hatte ich das Gefühl, die Charaktere wären nicht richtig greifbar.

Auch der Schreibstil ist gewohnt flüssig und gut zu lesen/hören. Die kurzen Kapitel fördern den Lesefluss ebenfalls.

Was mich massiv an der Geschichte gestört hat, sind die ständigen Übertreibungen. Ich hatte beim lesen/hören teilweise das Gefühl, das wäre ein typischer 0815 Hollywood-Action-Film, in dem weder Logik noch Realismus einen großen Stellenwert haben. Hauptsache es passiert ständig etwas Grauenvolles und auf Teufel komm raus muss alle 10 Seiten eine schockierende Wendung daher. Klischee reiht sich an Klischee und immer wieder wird noch einer draufgesetzt. Solche Mittel bauen aber leider keine Spannung auf, sondern nur das Gefühl, ständig mit den Augen rollen zu wollen.

Klar könnte man an dieser Stelle argumentieren, dass Buch sei schließlich durch den Film „The Purge“ inspiriert worden (ein Film, den ich übrigens nie gesehen habe und deshalb auch keinen Vergleich habe), aber das zählt für mich nicht. Schließlich haben alle vor Erscheinung des Buches gejammert, bloß keinen Abklatsch davon haben zu wollen. Anscheinend ist es von der Story auch nicht der Fall, aber als Abklatsch gelten für mich auch diese Übertreibungen und dieses typisch amerikanische Action-Gedöns. „Inspiriert“ bedeutet für mich, dass sich der Autor Gedanken über die Geschichte gemacht hat und daraus etwas Eigenes erschafft. Statt „Alle gegen Alle“ wird ein „Alle gegen zwei“ – das hat Fitzek wunderbar gelöst. Doch das hat nichts mit den Übertreibungen zu tun. Erst zu jammern, keinen Abklatsch zu wollen und dann zu argumentieren, die Übertreibungen wären aufgrund dessen okay, ist für mich Doppelmoral.

Wo wir gerade bei der Moral wären: Auch das hat mich bei diesem Buch ein wenig gestört. In letzter Zeit möchte Fitzek immer mehr zum Nachdenken anregen und baut dementsprechend solche Themen in seine Bücher ein. Grundsätzlich finde ich das auch vollkommen in Ordnung aber inzwischen habe ich große Probleme mit der Umsetzung. Mir ist das zu sehr gewollt als gekonnt – es wirkt aufgesetzt und alles andere als authentisch.

Generell habe ich eine gewisse Struktur bei dieser Geschichte vermisst. Die Protagonisten eilen von einem Punkt zum nächsten und haben selbst keine Ahnung, was sie machen sollen. Doch das wirkte sich auch auf mich aus. Der rote Faden, der einen durch die Geschichte führt und ein wenig an die Hand nimmt, hat mir gefehlt. Für mich war das alles ein heilloses Durcheinander.

Auch das Ende konnte mich nicht überzeugen. Generell hat Fitzek ein Talent für diese, konnte er mich bisher bis auf wenige Ausnahmen immer überraschen und begeistern. Doch dieses Mal ist es ihm nicht geglückt. Das Ende ist für mich die Kirsche auf dem Klischee-Eisbecher und sorgt abermals für Augenrollen.

Positiv hervorheben möchte ich an dieser Stelle noch ein Wiedersehen mit bekannten Charakteren. Wer bereits „Passagier 23“ und „Amokspiel“ gelesen hat wird auf Charaktere treffen, die einem sicherlich schon einmal begegnen sind. Ein nettes Gimmick, das ich immer wieder gerne entdecke.

Fazit

Das Highlight dieses Buches war für mich das Nachwort/die Danksagung. Dementsprechend wird schon deutlich, dass die Geschichte selbst mich überhaupt nicht überzeugen konnte. Insgesamt hat der Autor eine Menge Potenzial verschenkt.

Im Grunde habe ich dieses Buch nur beenden können, weil ich es größtenteils als Hörbuch gehört habe und der Sprecher Simon Jäger so einen guten Job macht. Hätte ich das Buch nur gelesen, hätte ich es vermutlich abgebrochen.

Wer bisher noch kein Buch von Sebastian Fitzek gelesen hat und den Autor gerne ausprobieren möchte, dem würde ich empfehlen, Abstand von diesem Buch zu nehmen. Es gibt viele andere Bücher von ihm, die wesentlich besser für den Einstieg geeignet sind. Generell empfehle ich in diesem Fall „Die Therapie“.

Ich vergebe 2 von 5 Sternen

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6 Kommentare zu „Rezension: „AchtNacht“ von Sebastian Fitzek

  1. Hallo Sina, mir gefallen deine Rezensionen wirklich immer sehr. Du beschäftigst dich wirklich intensiv mit den Büchern und Lob und Kritik sind bisher immer berechtigt. Toll finde ich auch, dass du nichts von der Geschichte verrätst 😉 weiter so! Viele Grüße.e, Frauke

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  2. Hallo Sina,

    Oha, das klingt ja leider gar nicht gut. Dabei soll AchtNacht doch mein erster Fitzek werden und ich wollte es über die Ostertage lesen. Mal sehen, ob ich jetzt nicht vielleicht lieber ein anderes Buch mitnehme…
    Und nach deiner Rezension ist das wahrscheinlich auch nicht das beste Buch, um mit Fitzek anzufangen… Naja, aber jetzt hab ich es ja schon hier liegen. Mal sehen, vielleicht kann es mich ja auch positiv überraschen.

    Liebe Grüße, Julia

    Gefällt 1 Person

    1. Einen Versuch ist es bestimmt wert! Ich habe fast alle seine Bücher gelesen und damit natürlich auch gewisse Vergleichsmöglichkeiten. Ich weiß, dass er es besser kann aber wenn man ohne diese Vorkenntnisse rangeht kann das natürlich ein ganz anderes Leseerlebnis sein.
      Wenn du es allerdings so wie ich sehen solltest, dann empfehle ich wirklich einen erneuten Versuch mit „Die Therapie“ oder „Der Seelenbrecher“ .

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