Rezension: „Still“ von Zoran Drvenkar

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Verlag: Heyne

Seiten: 414

Preis: 9,99 € (Taschenbuch)

ISBN: 978-3453419346

Klappentext

Wenn es Winter wird und Schnee und Eis alle Spuren verwischen, erwacht in den einsamen Wäldern Brandenburgs das Böse. Über Nacht verschwinden auf mysteriöse Weise Kinder. Nur ein einziges Mädchen taucht unerwartet und verstört wieder auf, ihre Lippen sind seitdem verschlossen. Ein verzweifelter Vater beginnt, auf eigene Faust zu ermitteln. Doch damit dreht sich die Spirale des Bösen nur noch schneller.

Meinung

Die Geschichte wird aus drei Perspektiven erzählt:

ICH: Der Vater

DU: Das Mädchen

SIE: Die Täter

Die Perspektive wird deutlich vor jedem Kapitel angezeigt und so wie die Kapitel beschriftet sind, so schreibt Drvenkar diese Abschnitte auch: Im Singular der ersten und zweiten Person sowie im Plural der dritten Person. Die Kapitel sind zum größten Teil ziemlich kurz, was den Lesefluss sehr fördert.

Auch Drvenkar´s Schreibstil ist speziell. Er schreibt oft kurz und knapp, nüchtern und ausdrucksvoll zugleich. Wörtliche Rede wird dabei nie in Anführungszeichen gesetzt, sondern mit Spiegelstrichen angezeigt, und er bedient sich an der alten Rechtschreibung. Daran muss man sich gewöhnen, mir persönlich hat der Schreibstil aber sehr gut gefallen.

Doch kommen wir zum Inhalt. Ich lese viele Thriller und bin was das angeht auch nicht gerade zimperlich. Meinetwegen kann da literweise Blut fließen – das macht mir nichts aus. Auch mit dem Thema Kindesmissbrauch bzw Gewalt gegen Kinder bin ich bisher gut zurechtgekommen, doch Drvenkar hat es mit diesem Buch geschafft mir das Gegenteil zu beweisen. Denn er überschreitet eine Grenze, was bisher noch kein mir bekannter Autor getan hat und stellt die Grausamkeit so bildhaft dar, dass mir die Geschichte nicht nur einmal ziemlich an die Nieren ging.

Damit ist nicht gemeint, dass er Kindesmissbrauch detailliert beschreibt – das tut er nicht und solche Bücher würde ich auch niemals gutheißen. Aber er beschreibt die Gedanken und Gefühle der Täter so eindringlich, dass einem schlecht davon werden kann.

Immer wenn man denkt, man wäre ganz unten in den Abgründen der menschlichen Grausamkeit angelangt, verpasst Drvenkar seinen Lesern einen weiteren Schlag in die Magengegend. Dabei kommt er über weite Strecken fast komplett ohne Blut aus, was er auch gar nicht nötig hat, denn auch ohne Gewaltorgien ist dieses Buch schlimmer als vieles, was ich bis jetzt gelesen habe.

Deshalb an dieser Stelle eine ausdrückliche Warnung: Dieses Buch ist nichts für zart besaitete. Wer auch nur ansatzweise Probleme mit dem Thema Kindesmissbrauch in Büchern hat sollte einen großen Bogen um dieses Buch machen!

Zum Ende hin ging die Geschichte in eine Richtung, die ich wirklich nicht erwartet hätte und welche mir auch nicht unbedingt zugesagt hat. Für mich hat das einfach nicht ganz gepasst. Doch den Gesamteindruck schmälert dieser Punkt überhaupt nicht, weshalb ich ihn kaum in die Bewertung einfließen lasse. Die Wirkung, die dieses Buch auf mich hatte, hat für mich da doch einen größeren Stellenwert.

Fazit

Ein eindringlicher, beklemmender Thriller, der garantiert nicht jedermanns Sache ist. Nur zu empfehlen für hartgesottene Thrillerfans!

Von mir gibt es 5 von 5 Sternen

Anmerkung

Ich habe dieses Buch im Rahmen einer Leserunde gemeinsam mit Ashley (Instagram @ashleys.thrillerkabinett sowie gleichnamiger Blog) und Nicci (Instagram @nicci_boox) gelesen.

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