Rezension: „anonym“ von Ursula Poznanski und Arno Strobel

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Reihe: Daniel Buchholz und Nina Salomon (1)

Verlag: Wunderlich

Seiten: 379

Preis: 19,95 €

ISBN: 978-3805250856

Klappentext

Du verabscheust deinen Nachbarn? Du hast eine offene Rechnung mit deiner Ex-Frau? Du wünschst deinem Chef den Tod? Dann setze ihn auf unsere Liste und warte, ob die anderen User für ihn voten. Aber überlege es dir gut, denn manchmal werden Wünsche wahr…

Es ist der erste gemeinsame Fall von Kommissar Daniel Buchholz und seiner Kollegin Nina Salomon, und er führt sie auf die Spur des geheimnisvollen Internetforums „Morituri“. Dort können die Mitglieder Kandidaten aufstellen und dann für sie abstimmen. Dem Gewinner winkt der Tod. Aber das Internet ist unendlich, die Nutzer schwer zu fassen. Nur der Tod ist ausgesprochen real, und er ist näher, als Buchholz und Salomon glauben…

Meinung

Es hätte so schön sein können! Aufmerksam geworden bin ich auf das Buch aufgrund der Autoren (ich mag die Bücher von Ursula Poznanski sehr gerne, von Arno Strobel habe ich bisher nichts gelesen) aber auch wegen des Klappentextes, den ich wirklich interessant finde. In der heutigen Zeit, wo die Technik und vor allem das Internet so ein wichtiger Bestandteil geworden ist, ist diese Idee durchaus realistisch und erschreckend zugleich.

Doch fangen wir bei den Protagonisten an. Daniel Buchholz und Nina Salomon lernen sich in diesem Buch kennen und sollen von nun an gemeinsam ermitteln. Dumm nur, dass sie sich anfangs überhaupt nicht verstehen. Was auch kein Wunder ist, da beide komplett unterschiedlich ticken.

Daniel ist sehr penibel und achtet die Vorschriften. Er gilt als Frauenheld, legt viel Wert auf Hygiene (was bei ihm schon zwanghafte Züge hat) und behält stets einen kühlen Kopf. Nina ist das genaue Gegenteil. Sie ist chaotisch, laut, sehr temperamentvoll und zieht gerne ihr eigenes Ding durch. Nach und nach freunden sich die beiden aber miteinander an.

Anfänglich konnte ich mit Daniel überhaupt nichts anfangen, Nina dagegen mochte ich etwas mehr. Das mag vor allem daran liegen, dass über beide zunächst gar nicht so viel bekannt ist. Man lernt ihre Charaktere kennen, die Hintergrundgeschichten erfährt man allerdings erst später. Sobald diese aber klar werden, wurde mir Daniel gleich wesentlich sympathischer. Seine Vergangenheit bietet sehr viel Potenzial für die Folgebände (sollte es denn welche geben, wovon ich ausgehe).

Nina mochte ich am Anfang sehr, jedoch war mir da auch schon klar, dass sie jede Menge Potenzial hat dem Leser auf den Geist zu gehen. Bei mir persönlich war das zwar nicht der Fall, aber es würde mich nicht wundern wenn einige Leute von ihr genervt sind. Im Laufe des Buches ging mir ihr Verhalten zwar etwas zu weit, insgesamt ist sie mir aber nach wie vor sympathisch.

Generell hatte ich Probleme damit, einige Handlungen in diesem Buch wirklich nachzuvollziehen. Einige empfand ich als vollkommen deplatziert, andere als komplett unnötig. So werden beispielsweise ungefähr zur Mitte der Geschichte zwei CIA-Agenten vorgestellt (allein das fand ich schon total übertrieben), die die Ermittlungen unterstützen sollen, aber im Endeffekt nicht wirklich etwas dazu beigetragen haben. Sie nerven die Ermittler ein bisschen, sagen ständig sie hätten die besten Mittel um zu helfen und am Ende tun sie eigentlich gar nichts. Das hätte man komplett streichen können.

Ein weiterer Punkt ist der Grund, warum Nina zu Beginn der Geschichte überhaupt nach Hamburg versetzt wurde. Gerade zu Anfang wird ein riesiges Geheimnis daraus gemacht. Die Vorgesetzte will es nicht verraten, Daniel möchte es aber unbedingt wissen. Es wird der Eindruck vermittelt, dass da etwas ganz Schlimmes passiert ist und am Ende ist es nur heiße Luft. Man erhält keine richtige Antwort und wird mit einer nebensächlichen Erwähnung abgespeist.

Gerade zum Ende hin wirken viele Dinge sehr deplatziert. Als die Geschichte seinen Höhepunkt erreicht, will Nina aus heiterem Himmel noch eine Privatsache klären und ruft eine alte Freundin an. OBWOHL es in dem Moment um Leben und Tod geht. Zum gleichen Zeitpunkt beschließen ihre Vorgesetzten ihre Suspendierung und müssen ihr das natürlich auch sofort mitteilen, OBWOHL es gerade um Leben und Tod geht. Wie die ihre Prioritäten setzen ist mir wirklich ein Rätsel.

Grundsätzlich hat mir die Spannung bei dem Buch gefehlt. Dabei bietet die Geschichte eigentlich genug Grundlagen um den Leser zu packen. Doch bei mir wollte das einfach nicht klappen. Grund dafür können zum Teil die gerade genannten Punkte sein, aber auch die Tatsache, dass die Ermittler das ganze Buch über keinen Schritt vorwärts kommen. Nina zieht ihre Alleingänge durch und sitzt vor dem Computer um das Forum zu überwachen (obwohl es dafür genug andere Kollegen gibt)  und Daniel muss sich mit der Presse herumschlagen. Ab und zu gehen die beiden an einen Tatort oder befragen irgendwelche Menschen. Aber das alles hilft nicht weiter. Die Ermittlungen verlaufen immer wieder im Sand, es gibt kaum eine richtige Spur die man verfolgen kann. Die Ermittler kommen einfach nicht voran und genau dieses Gefühl hatte ich auch beim Lesen.

Am Ende bringt Nina ein ziemlich offensichtlicher hervorgeholter „Zufall“ auf die Lösung des Ganzen. Wer der Täter ist, war für mich doch recht vorhersehbar und nicht gerade überraschend. Im Buch wird er auf ziemlich spektakuläre Art und Weise enthüllt, was mir soweit gut gefallen hat, leider aber auf Kosten der Logik ging.

Auch das Motiv des Täters kam mir eindeutig zu kurz. Der Täter wurde präsentiert und zum Schluss wurde ihm noch schnell ein Hintergrund verpasst, damit er ins Profil passt. Hier haben es sich die Autoren für mich etwas zu leicht gemacht.

Fazit

Es gibt einige Dinge, die ich an dem Buch sehr mag. Die Ermittler haben mir gut gefallen, vor allem Daniels Hintergrundgeschichte könnte in den möglichen Folgebänden spannend werden. Auch die Idee war interessant. Aber bei der Umsetzung habe ich einfach zu viele Kritikpunkte. Insgesamt ist die Geschichte für mich nicht gut genug ausgearbeitet worden. Es wurde viel Potenzial verschenkt.

Ich weiß nicht, ob ich einen eventuellen Folgeband lesen würde.

Ich vergebe 2,5 von 5 Sternen


Anmerkung

Ich habe das Buch im Rahmen einer Leserunde gemeinsam mit Ashley (Instagram @ashleys.thrillerkabinett sowie gleichnamiger Blog) und Nessi (Instagram @nessis.book.choice sowie gleichnamiger Blog) gelesen. Die beiden werden ebenfalls eine Rezension zu dem Buch schreiben, welche ich hier verlinken werde:

Ashleys Rezension

Nessis Rezension

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2 Kommentare zu „Rezension: „anonym“ von Ursula Poznanski und Arno Strobel

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